MONTANMITBESTIMMUNG & MONTANMITBESTIMMUNGSGESETZ
19.07.1952: Das Betriebsverfassungs- gesetz wurde verabschiedet. "Der   19.   Juli   1952",   so   konnte   man   in   der   Zeitschrift "Metall"   lesen,   "wird   als   schwarzer   Tag   lange   in   der   Er- innerung    von    Millionen von    Arbeitern    und    An- gestellten    bleiben."    Ein schwarzer    Tag    für    Mill- ionen?   Ganz   sicher   aber eine     schwere     Nieder- lage   für   den   Deut-schen   (DGB)        und        seinem damaligen   Vorsitzenden   Christian   Fette.   Der   Deutsche Bundestag     verabschiedet     das     Betriebsverfassungs- gesetz    gegen    den    Willen    und    massiven    Protest    der Gewerkschaften Nach    dem    Erfolg    der    Montanmitbestimmung    1951 hofften   die   Gewerkschaften,   dieses   Modell   auf   die   Ge- samtwirtschaft    ausdehnen    zu    können.    Jedoch    zeigte Konrad    Adenauer    keinerlei    Bereitschaft    den    Forder- ungen    der    Gewerkschaften    entgegenzukommen.    Auf den   Regierungsentwurf   zum   BetrVG   reagierte   der   DGB mit   einen   Aktionsplan   zur   Durchsetzung   seiner   Forder- ungen.   Dem   Ruf   der   Gewerkschaften   zu   Kundgebun- gen    und    Warn-streiks    folgten    im    Mai    1952    Hundert- tausende.     Bei     den     Kundgebungen     wurden     immer wieder   das   Erbe   von   Hans   Böckler   und   sein   Verdienst um die Montanmitbestimmung beschworen. Nachdem   sich   die   Gewerkschaften   machtvoll   ins   Bild gesetzt    hatten,    folgte    der    Rückzug:    Am    4.    Juni    1952 beschloss   der   DGB-Bundesvorstand   den   Abbruch   der Aktionen,    um    die    erneuten    Gespräche    mit    der    Bun- desregierung   nicht   zu   gefährden.   Doch   die   Gespräche blieben   erfolglos.   Die   Gewerkschaft   brach   sie   schließl- ich   ab,   als   bekannt   wurde,   dass   die   Bundesregierung ein    Sondergesetz    für    den    öffentlichen    Dienst    verab- schiedet   hatte   -   das   Personalvertretungsgesetz.   Damit war     klar,     dass     die     Bundesregierung     die     gewerk- schaftlichen   Forderungen   nach   einer   einheitlichen   Re-
gelung       der       Mitbe- stimmung   im   gesamt- en       Wirtschaftsleben hintertreiben      werde. Für        Gegenmaßnah- men       der       Gewerk- schaften    war    es    jetzt schon   zu   spät,   denn   man   schrieb   bereit   den   7.   Juli 1952. Zwei   Wochen   später,   am   19.   Juli   1952,   wurde   das Gesetz   mit   195   Ja-Stimmen   und   140   Nein-Stimmen (vor    allem    aus    den    Reihen    der    SPD)    bei    sieben Enthaltungen        (Abgeordnete        der        CDU-Sozial- ausschüsse) angenommen. Für    die    "Holzarbeiter-Zeitung"    hatten    die    Arbeit- nehmer    zwar    den    Kampf    um    ein    fortschrittliches Betriebsverfassungsgesetz    verloren,    aber    "eine    Er- kenntnis     gewonnen,     und     zwar     die,     dass     dieser Bundestag   in   seiner   Mehrheit   arbeiterfeindlich   ein- gestellt   ist".   Demgegenüber   räumte   die   "Druck   und Papier"    auch    eigene    strategische    Fehler    ein.    Auch die     besten     Proklamationen     können     eben     nicht darüber    hinwegtäuschen,    dass    "die    Gegenspieler nicht   nur   den   greifbaren   Erfolg   ,   sondern   auch   die überlegene   Taktik   aufweisen   konnten   und   dass   sie   in der   entscheidenden   Phase   das   Gesetz   des   Handelns diktierten." Eine   kritische   Aufarbeitung   des   Verhaltens   des   DGB und   seiner   Gewerkschaften   und   eine   Debatte   mög- licher   Konsequenzen   blieb   dennoch   aus.   Sie   wurde dann   um   so   heftiger   beim   DGB-Bundeskongress   im Oktober   1952   in   Berlin   geführt   und   endete   mit   der Abwahl Christian Fettes als Vorsitzender.
Jui 1952 1952
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